Hallo ihr lieben Neugierigen!
Der Samstag war ein aufregender Tag! Es war wie immer in der Früh etwas kalt, aber sonnig und schön langsam wurde es warm.
Wie jeden Tag frühstückten wir Marmeladensemmel, Cocatee und Orangensaft. Dann machten wir uns auf den Weg Geschenke zu besorgen. Schließlich sollte es endlich soweit sein, dass Jhim getauft wird. Es hätte ja schon am Freitag sein sollen, aber da wurde es verschoben, weil Angels Mutter keine Zeit hatte. Wir machten uns auf die Suche nach einer Kette mit einem Kreuz, doch der Laden in dem wir am Freitag schon eins gesehen hatte, hatte leider zu. Irgendwann sind wir im Markt gelandet. Dort habe ich mit einer netten Mamasito (so werden hier alle Frauen genannt) geratscht. Sie hatte einen netten Anhänger mit einem Jesuskind darauf, also kauften wir eben das. Im nächsten Laden kauften wir noch etwas zum anziehen, nachdem das hier Tradition hat. Ich konnte zum ersten mal in dem Peruaufenthalt meine Verhandlungskünste auspacken und sie waren sogar erfolgreich.
Dann mussten wir unsere Bustickets für die Weiterreise besorgen. Los ging’s zur Busgesellschaft. Diese meinte, dass am Sonntag keine Busse fahren, weil Fortbildungen für Lehrer und andere wichtige Personen anstanden. Alle Personen (u.a. Polizisten) die wir so fragten, meinten, dass nur diese eine Firma fährt, obwohl in meinem Reiseführer was anderes stand. Hm wir sahen uns schon mit dem Taxi den weiten Weg fahren, denn noch einen Tag in HVCA konnten wir nicht mehr bleiben. Wir müssen ja pünktlich wieder in Lima ankommen. Unsere letzte Hoffnung war Julio – der dann zum Glück noch eine Firma wusste, die tatsächlich auch fuhr.
Unsere Einkaufstour ging weiter, denn am Nachmittag stand auch noch der Besuch bei den NATs auf dem Programm. Also kauften wir für 20 Kinder je ein Heft, einen roten und einen blauen Stift, einen Bleistift, einen Radiergummi und ein Lineal. Die Menge hat das Geschäft ganz schön überfordert, die Hefte wurden kurzerhand in einem anderen Geschäft von der Tochter nachgekauft. Das Treffen sollte um 15 Uhr sein, um 16 Uhr waren dann auch schon alle da. Die Zeit nutzten wir Padre Martin – den neuen NATs-Begleiter kennenzulernen. Dann begann die Versammlung mit einem Gebet, es folgten Lieder (immerhin wurden die Spanischen ausgewählt und nicht die quetschuanischen). Dann wurde ein Psalm gelesen, dann wieder Lieder – wohlgemerkt mit Schlagzeugbegleitung. Es wurden sogenannte Dinamicas, also Spiele wie Flüsterpost (sehr lustig wenn man das Wort nicht kennt) gespielt. Anschließend wurde über den Psalm gepredigt. Dann endlich kamen die Reden… der NATs-Ortsvorstand, Miguel als NATs-Vertreter auf Landesebene, Padre Martin, Julio als ehemaliger NATs, ich und Christian durften ran – wobei ich ihn übersetzen musste. Zum Abschied gab’s die Geschenke, und zusätzlich haben wir noch Getränke und Kekse kaufen lassen. Alle waren glücklich, und es war halb 6.
Wir sollten doch eigentlich schon um 5 beim Pfarrer wegen der Taufe sein, aber ein angebliches Telefonat hat die Verspätung frühzeitig vorhergesehen Doch um halb 6 standen wir alleine vor der Kirche – kein Pfarrer, keine Eltern, kein Kind. Wir waren uns schon nicht mehr so sicher, ob die Taufe überhaupt stattfindet. Um 6 ist der Gottesdienst dann losgegangen, er war zu Ehren der Santa Rosa de Lima, der Schutzpatronin der Polizei. Die Kirche war voll mit Polizisten und wir standen immer noch vor der Tür und warteten und warteten. Endlich um viertel nach 6 kamen sie… und waren überrascht, dass der Gottesdienst schon angegangen war. Dann sind wir also auch in den Gottesdienst…. typischerweise rhythmische Lieder und eine lange Predigt, während dessen haben Handys geklingelt und wurde telefoniert, man ist raus- und wieder reingegangen. Zur Kommunion geht nur wer davor beim Beichten war, also fast niemand. Um kurz vor 7 war der Gottesdienst aus… und der Pfarrer verschwunden. Jetzt war unsere letzte Hoffnung, tatsächlich noch eine Taufe zu erleben verschwunden. Doch… wir fanden den Pfarrer im Pfarramt und er meinte „Jaja… wartet nur mal in der Kirche“. Und tatsächlich er kam noch. Nach 10 Minuten ungefähr war alles vorbei. Nach weiteren 10 Minuten waren auch die Dokumente unterschrieben und gestempelt… und wir sind katholische Taufpaten. Die Feier liessen wir bei „gegrillten Hähnchen“ mit Pommes UND Salat- einem Festessen – ausklingen. Noch kurzes Fotoshooting. Dann haben sie uns mit ans Hotel begleitet, wo wir ihnen unsere verbliebene Tasche mit Kinderklamotten übergeben haben. Ich denke Karina kann ein paar Sachen für Jhim gebrauchen und weiss genügend Familien, die alles andere gebrauchen können. Sonst ist da auch noch Padre Martin der für jede Kleiderspende für sein Projekt in einem Dorf froh wäre.
Ein aufregender Samstag war zu Ende…
Viele Grüße
Vroni und Christian