mein erster Ausflug und was dann noch war

So hier gibts mal wieder die neuesten Infos aus Peru. Diesmal hab ich euch etwas laenger warten lassen. Das liegt zum einen daran, dass die Kinder IHREN Computer entdeckt haben, v.a. als Spielzeug, zum anderen daran, dass schoen langsam sowas wie Alltag einkehrt.

Aber der Reihe nach: Am Sonntag Nachmittag war mein erster Ausflug. Erst waren Karina, Jorge, Angel und ich in der Stadt unterwegs. U. a. durfte ich das Schwimmbad bewundern. Zu meinem Erstaunen ist es richtig gross und kann mit dem Dachauer Freibad allemal mithalten, v.a. was die Anzahl der Umkleidekabinen betrifft! Angeblich ist es warmes Thermalwasser. Naja mal schauen wann ich das erste mal darin schwimm. Dann gings weiter aufs Land auf die Carreterra de Caballos (Pferderennstrecke). Dort verbrachten wir dann den ganzen Nachmittag und haben auf das Pferderennen gewartet. Niemand wusste so genau wann das erste Rennen ist, welches dann um halb 5 war! Ganze 2 Pferde traten gegeneinander an, und nach 15 Minuten wieder zwei,… Wenn ich ehrlich bin, und wer meine Pferdeleidenschaft kennt weiss es, hab ich eher die Landschaft bewundert und sowas aehnliches wie Popcorn gegessen, aber viel leckerer als Popcorn.

Ab Montag Vormittag war ich dann zum ersten mal damit beschaeftigt zusammen mit den Kindern und einem Profe in diverse Bueros zu gehen, u.a. Stadtamt, Bauamt, Wasserwirtschaftsamt,… und habe zusammen mit den Kindern versucht Gutscheine fuer Truchade (Fisch) und Cuyada (Meerschweinchen) an die Angestellten zu verkaufen. Ein Gericht kostet 5 Soles und die Leute koennen es sich naechsten Donnerstag abholen. Mit dem Geld werden Schulsachen fuer die Kinder gekauft. Es laeuft immer nach dem gleichen Schema: Erst beim Pfoertner fragen ob der Chef da ist, dann zur Sekretaerin des Chefs und am Schluss, wenn man Glueck hat und der Chef da ist bis zu 1 Stunde warten und zu ihm. Wenn er nicht da ist versucht man es am Nachmittag und/oder am naechsten Tag nochmal. Und so verbringe ich eben seit Montag diverse Vormittage damit. Dafuer hab ich auch Briefkuverts gebastelt, die 270 Gutscheine ausgeschnitten und gestempelt. Immerhin hab ich bei einem der Behoerdengaenge die wohl einzige Deutsche in Huancavelica kennengelernt.

Montag Mittag hab ich zum ersten Mal Alpaka gegessen. Schmeckt wie ne Mischung aus Rind und Lamm find ich. Und einen Teil meiner freien Zeit verbrachte ich damit Kalenderblaetter fuer den Geburtstagskalender zu basteln, die die Kinder am Freitag bemalen duerfen. Am Nachmittag hats auch zum ersten Mal so richtig geregnet und war dann etwas kaelter.

Seit Dienstag hab ich ein Fenster weniger. Ein Junge hat aus versehen mein Fenster beim Fussball spielen eingeschossen. Jetzt ist es halt etwas dunkler da mit Plakat von aussen und Plastiktuete von innen verklebt (sonst haett ich das Panzertape doch umsonst dabei;-) Dafuer kann jetzt niemand mehr reinschauen. In der Frueh lernte ich auch wie man mit nur einem Rinnsal Wasser Haare waescht. Die Abende verbringe ich meistens mit Kenia im Geschaeft, d.h. wir hoffen dass Leute kommen, die unsere Broetchen kaufen, und bauen die meiste Zeit Puzzle.

Gestern hielt ich meine erste Deutschstunde. Das war echt super lustig und im Gegensatz zu so manch anderen Stunden waren die Kids richtig aufmerksam. Da bin ich ja mal gespannt wie das weiter geht. Am Nachmittag war ich dann Schiedsrichter beim Volleyball in der prallen Sonne.

Uebrigens, was wirklich lecker schmeckt: In Ei panierte Yukka; Kaktusfruechte und peruanischer Milchreis ist auch ganz gut. Dafuer haben den Profes auch meine „armen Ritter“ (fuer die dies nicht wissen: Semmeln aufschneiden, in Eiermilch wenden und in der Pfanne braten) geschmeckt:-)

So jetzt versuch ich mal ein paar Fragen von euch zu beantworten: Die meistgestellte Frage ist, woher ich die Zeit nehm: Ich arbeite ja nicht 24 Stunden am Tag, das Internet ist schneller als daheim und so wie jetzt sind keine Kinder da.

Was bedeutet NATs: Niños y adolescentes trabajadores, also arbeitende Kinder und Jugendliche!

Wie gross ist Huancavelica: Es hat ca. 30.000 Einwohner ist aber ziemlich laendlich. Warum sind die Profes so jung: das sind Studenten die ihre Semesterferien hier ehrenamtlich verbringen und frueher NATs waren.

Zum Wetter: hin und wieder regnet es am Nachmittag ein bischen, aber es ist nie kalt. Auch wenn irgendwie alle frieren. Meistens scheint die Sonne und dann ist es auch richtig schoen warm, nur irgendwie laufen auch dann noch alle in dicken Winnterpullis und – jacken rum. Andererseits wird staendig gestoehnt wie warm es doch ist. Passende Temperaturen jedenfalls fuer den Carnevalsbrauch, sich mit Wasser-Mehl-Gemisch zu beschiessen.

Na gut soweit mal wieder – ich hoffe euch geht’s auch allen gut.

Viele liebe Gruesse

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