Hallo liebe Leut!
Eine relativ abwechslungsreiche Woche ist vorbei, und aufgrund der ganzen Erlebnisse hatte ich leider keine Zeit hier zu schreiben. Angefangen hat’s am Samstag. Da war Wandertag. Leider wollten die Kinder unbedingt zur Carretera de Caballo, womit ich nun schon dreimal dort war. Und leider hat es fast die ganze Zeit geregnet. Aber es war trotzdem sehr lustig, denn ich bin das erste mal hin gewandert, wobei man einfach viel mehr Eindruecke einsammelt als wenn man staendig nur Auto faehrt. Uns sind unzaehlige Lamas, Schafe und Ziegen begegnet. Letztendlich sind wir 1 Stunde hingegangen, haben 2 Stunden mit Essen verbracht und sind wieder zurueck. Es ist naemlich nicht so wie bei unseren Wandertagen, dass jedes Kind seine Brotzeit mitnimmt – nein es wird in der Frueh genauso gekocht wie immer, und das Essen in Toepfen mit dem Auto nachgefahren. Am Sonntag war dann „mein erster Wandertag“. Ich bin zusammen mit Jorge zum „Señor Oropesa“. Dem ist eine kleine Kapelle am Berg gewidmet, wo jeden Sonntag eine Messe stattfindet. Wir sind um 9 aufgebrochen, weil man erstmal Kerzen und Verpflegung kaufen musste, und die Messe um 11 beginnen sollte. Doch ich bin ja in Peru. Der Pfarrer kam erst um 12. Nachdem jeder erst beichten will, hat die Messe um 1 begonnen! Der Aufstieg war ganz schoen anstrengend – 1 Stunde ueberwiegend Treppen steigen und das in der Hoehe! Eine kleine Gruppe hat den ganzen Weg 4 Kreuze getragen. 4 Kreuze deshalb, weil man an 4 kleineren Kapellen vorbei kommt, und aus jeder das Kreuz genommen wird. Eine andere Gruppe hat den Kreuzweg gebetet, weil 14 „Pausenstationen“ sind. Jorge und ich sind aber einfach hoch gegangen. Das war anstrengend genug. Aber der Blick ueber ganz Huancavelica hat sich gelohnt. Nach dem Abstieg sind wir zu einem „Triumphbogen“ der fuer mich nichts anderes als ein altes Tor war, aber na gut, man versucht halt bei jedem Stein eine Touristenatraktion zu finden. Danach sind wir noch zu den „3 Boas“ in der „lieblichen Villa“. Dort sind Termalquellen, aber es war zu kalt zum Baden. Ausserdem ist dort ein Wasserfall, eine Haengebruecke und ein Ruheplatz Es gaebe auch einen Tanzsaal, aber der ist nahezu nie geoeffnet. Die Gegend dort ist aber einfach wunderschoen. Dann waren insgesamt 5 Stunden wandern vorbei. Am Montag hatte ich dann einen ruhigeren Tag mit typischen, meist nicht erfolgreichen Behoerdengaengen. Ich sollte das Geld fuer die damals verteilten Meerschweinchen und Fische einholen! Warum man die Leute nicht gleich bezahlen hat lassen, hab ich immer noch nicht verstanden. Ja und ab Dienstag Nachmittag war eine Deutsche (Rike) in HVCA. Ich durfte ziemlich viel Zeit mit ihr verbringen, was ich sehr genossen habe. Denn ich hatte endlich mal richtig Freizeit. Ausserdem fand ich es toll, mit jemanden ueber die Eindruecke und Erlebnisse zu sprechen. Auch wenn es am Anfang tatsaechlich ungewohnt war deutsch zu reden. Aber wir waren gemeinsam Essen, wobei gemeinsam heisst, mit Leuten aus dem Haus. Ich hab ihr am Mittwoch die gesamte Stadt, einschliesslich den „3 Boas“ gezeigt. Und war echt erstaunt was man an einem Tag alles schafft, wenn man Tourist ist, dabei sind wir richtig gemuetlich gegangen. Ich hab ja immerhin 4 Wochen gebraucht um alles zu sehen. Am Dienstag hatte ich aber auch kurzfristig mal einen richtigen Schrecken bekommen, denn der Computer, besser gesagt Windows, liess sich nicht mehr starten. Und immerhin sind alle meine Fotos auf dem Rechner. Am Mittwoch konnte aber Gott sei Dank jemand Externes das Problem beheben. Ich hab darauaf bestanden, dass jemand Externes kommt, nachdem Pabel einfach keine Ahnung hat! Nachdem dann wieder alles funktioniert hat, hab ich gleich mal wieder eine Foto-CD gebrannt. Am Mittwoch-Abend hatte es dann einen gigantischen Regen, so dass der Fluss an manchen Stellen ueber das Ufer trat und Bruecken kurzfristig gesperrt wurden. Diese Wassermassen hatten aber auch zur Folge dass manche Leitungen, u.a. die Hauptleitung, gebrochen ist und wir bis Donnerstag Abend kein Wasser hatten. Und so mussten wir zu einem „Wasserlastwagen“ und Wasser holen, wobei jeder nur einen kleinen Eimer voll bekommt. Wie sollte man damit 25 Kinder versorgen? Die Folge war, dass am Donnerstag nicht gekocht wurde, und das am internationalen Frauentag! Der ist hier richtig wichtig. Es war ein Umzug mit vielen Gruppen, sowohl Kinder-, Frauen als auch Seniorengruppen und staendig wurde man beglueckwunscht eine Frau zu sein! Am Donnerstag Nachmittag haben Rike und ich mit unseren „Fuehrern“ Jorge und Jonathan eine Wanderung nach Sacsamarca und nach Santa Barbara gemacht. Dort ist Naturpur. In Sacsamarca fahren nahezu keine Autos, die Kinder muessen ab der 7. Klasse eine Stunde nach HVCA in die Schule gehen und Lebensmittel werden nur einmal im Monat aus HVCA gebracht. Nach Santa Barbara sind es nochmal 1 1/2 Stunden, fast auf 4000 Meter! Dort findet man eine seit 5 Jahren stillgelegte Miene, deren Maschinen schon total verrostet sind. In den Bueros haengen noch die Kalender von 1955 und 1974 und es stehen diverse Ordner in den Regalen. Die Dorfbewohner sind 3 Kuehe! Seit den 80ern, nach Einmarsch der Terroristen ist das Dorf ausgestorben. Die Kirche wurde 3 Jahre, bis letztes Jahr renoviert um eine Touristenattraktion zu schaffen. Das Ergebnis ist, dass der Turm fehlt, innen fast einfaellt und Baumaterial liegt, und nur die Fasade wunderschoen renoviert ist. Weshalb sich die Anstrengung wirklich rentiert ist die Landschaft. Nach fast 6 Stunden waren wir dann wieder zurueck. Am Abend sind wir, d.h. Rike, William (ein spanischer Tourist mit ca. 60 Jahren, Mary, Santurnino, Adela) noch ins Esparta (traditionelle Musik mit Liveband) und anschliessend in die Disko Kimbera. Am Freitag haben Rike und ich es ruhiger angehen lassen. Wir haben gemuetlich gefruehstueckt und sassen viel auf dem Plaza de Arma. Dabei kommt es immer wieder zu den Gelegenheiten mit Einheimischen zu ratschen. Am Nachmittag haben wir gemeinsam Kunst gegeben. Die Kinder durften ihre Traeume malen, wobei das meist Haeuser, Autos, Fahrraeder und Firmen sind. Das war jetzt das letzte mal Kunst, weil am Montag die Schule wieder anfaengt. Und dann musste ich mal wieder, wie fast taeglich, zur Polizei, weil auch diese noch nicht bezahlt hat. Immerhin schaffe ich es, wenn ich alleine bin, auch ohne Brief in das Buero der Hauptkomisar zu gelangen, waehrend ich in Begleitung von Peruanern nicht mal durch den Haupteingang gelange. Und wie gesagt, am Freitag Nachmittag habe ich es dann zusammen mit Rike wieder einmal versucht das Geld zu bekommen. Wir gelangten zum Hauptkomisar und nachdem dieser erfuhr, dass wir aus Deutschland sind, hat er seinen Hut abgenommen. Ueberhaupt war das Gespraech viel lockerer als mit den Peruanern. Allerdings haben ich und Rike nun auch eine Einladung zum Mittagessen in meinem Email-Postfach! Am Abend war ich dann noch mit den jungen Profes in der Disko Aura, wobei dem Ereignis natuerlich wieder einmal eine ausgiebige Diskussion mit Santurnino vorausging. Rike ist heute in der Frueh abgereist, aber wir werden uns in ca. 3 Wochen in Cusco wieder treffen. Was bei mir demnaechst so passiert weiss ich selbst nicht, darum seit gespannt. Ich lass mich auch taeglich, oft auch stuendlich auf’s neue ueberraschen.
Also dann sende ich euch viele liebe Gruesse!
P.S.: Bald fange ich ja an zu reisen und ab dann schreibe ich auch Postkarten. Wer eine will, darf sich gerne mit Adresse, falls ich noch nie geschrieben habe, melden.