Besuch aus Lima

Ein herzliches Gruess Gott mal wieder aus Huancavelica!

Jetzt bin ich schon 1 Monat in Peru und die Haelfte der Zeit im Projekt ist auch schon um! Kann’s irgendwie noch gar nicht glauben. Wahrscheinlich hab ich schon jede Menge verpasst, aber ihr haltet mich ja doch wenigstens etwas auf dem Laufenden. Nachdem der Sonntag so gar nicht nach meinem Plan verlief, war’s von Montag bis gestern umso abwechslungsreicher. Eigentlich wollten wir am Sonntag zu einem Aussichtspunkt spazieren, der wohl nur eine Stunde entfernt ist. Doch dann hatte Santurnino hier und da noch was zu erledigen, und Mary musste unbedingt nochmal zum Friseur weil ihr die Frisur vom Samstag nicht gefiel. Am Nachmittag hat’s dann auch noch geregnet. Mittlerweile regnet es immer oefters und ist leider auch nicht mehr so warm wie anfangs. Wenn es regnet, heisst das, dass es 5 Minuten schuettet was runter geht, dann noch ein wenig troepfelt und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Aber nachdem Peruaner wohl aus Zucker sind, gehen sie auch wenn es nur troepfelt nicht raus. Und somit viel der Ausflug buchstaeblich ins Wasser und ich bin zum Wochenmarkt spaziert. Am Nachmittag mussten die Fussballer zur Polizei zum Fotografieren – jeder Spieler hat jetzt einen Spielerpass. Eigentlich sollte das um 3 stattfinden, aber wie’s halt so ist, war’s dann doch 5. Immerhin kenn ich dafuer wieder ein kleines Stuecken von HVCA. Danach gab’s mal wieder Kuchen, weil Edison (ein NAT) Geburtstag hatte. Edison ist Waise und lebt bei seiner Tante. Er hat sich so gefreut, dass er nichts mehr sagen konnte und den Traenen freien Lauf gab. Wer hat schon mal in Deutschland erlebt, dass jemand wegen einem Kuchen weint? Am Abend waren wir dann Essen, und was lief im Fernsehen: F.C.B gegen Wolfsburg! Fernseher laufen in jedem Restaurant, Buero, Bank,… einfach ueberall. Teilweise sind es 2, und auf jedem laeuft ein anderes Programm in der gleichen viel zu lauten Lautstaerke, so dass man eh nichts versteht. Nur sehr selten sind Nachrichten zu sehen, welche ich viel brutaler finde als bei uns. Am Montag in der Frueh kam dann unser Besuch: Miguel (sowas wie Sozialpaedagoge) und Anggelo (Lehrer fuer Psychologie, Geschichte, Philosophie) aus Lima. Beide arbeiten fuer „Nacional social“, das zu Zeit eine Gesundheitskampagne fuer Kinder durchfuehrt. Die Kinder werden in Workshops ueber richtiges hygienisches Verhalten aufgeklaert und ueber Krankheiten wie TBC. V.a. aber wird ihnen eingetrichtert, dass sie zum Arzt gehen muessen, wenn sie krank sind! Und deshalb gibt es auch gleich eine zweite Aktion: Jedes Kind, das keine Krankenversicherung hat, sollte sich registrieren und wird an das Gesundheitszentrum gemeldet, um in Zukunft versichert zu sein. Am Montag Vormittag waren wir dann aber erstmal wieder auf dem Fussballplatz. Der Spielmodus wurde geaendert: Es spielt jetzt jeder gegen jeden und es sind doch wieder 6 Mannschaften im Rennen. Mittlerweile haben wir aber fast alle Spiele verloren. Am Nachmittag war ein Wettbewerb im Referat-halten. Die Kinder, auch die 6-jaehrigen mussten frei ueber ein selbstgewahltes Thema sprechen. Die Themen waren nicht etwa Buecher, Filme, Hobbies. Nein es waren Muell, Armut, Waisenkinder, Kinderrechte, Alkoholismus, gestorbene Freunde, u.a. Am Abend und in der Nacht haben wir den Gesundheits-Workshop vorbereitet, besser gesagt die Themen aufgeteilt. Ich sollte ueberwiegend die Spiele durchfuehren. Doch am Dienstag kam alles mal wieder anders: Nein wir haben nicht wie geplant um 9 begonnen, sondern um 11, weil erst dann alle Kinder, die zum Teil 1 Stunde Bus fahren mussten, da waren. Und wir haben das Programm auch nicht bis um 18 Uhr durchgefuehrt, weil eine „Ortsgruppe“ um 4 meinte, dass sie jetzt fahren. Letztendlich arbeiteten auch fast nur Anggelo, Miguel und ich, waehrend die anderen immer dann wenn sie was zu tun gehabt haetten, nicht da waren. Somit konnten wir aber auch sehr flexibel sein, und haben nur 2 von den 4 Themen durchgefuehrt. Am Dienstag war dann die „Registrierungsaktion“ in Yauli. Eigentlich wollten wir mit dem Zug dort hinfahren, doch den haben wir – oh Wunder – verpasst. Am Tag zuvor haben sie mir noch erklaert „Der Zug faehrt wann er will, und kommt wann er kann“. hm fuer das war er aber ganz schoen puenktlich! Wir sind dann jedenfalls mit dem Collectivo (einem Kleinbus) gefahren. Das Gesundheitszentrum von Yauli hat uns dann versichert, dass 100 % der Kinder versichert sind und keine Kinder arbeiten! Wenn dann helfen sie zu Hause oder auf dem Feld. Tja da streiten sich mal wieder die Geister, was jetzt Kinderarbeit ist und was nicht. Als wir nach 3 Stunden wieder gefahren sind, hatten wir 30 registrierte Listen und einige Listen an andere Organisationen gegeben! Am Nachmittag war ich mit Anggelo noch einkaufen und ein wenig Stadt besichtigen, bevor sie dann um 6 wieder in Richtung Lima gefahren sind. Waehrend den vielen gemuetlichen (Abend-)Stunden, die ich ratschend mit den beiden verbracht habe, konnte ich dann doch feststellen, dass in Lima die Uhren ganz anders ticken als hier. Jedenfalls fanden sie mein Bad eklig, das Essen haben sie im Restaurant zurueck gegeben, weil’s ihnen nicht schmeckte, die Kinder fanden sie anstrengender als andere. Ausserdem waren sie der Meinung, dass ein aggresiver Ton im Buero herrscht- na so ganz unrecht haben sie ja nicht, aber ganz so schlimm find ich’s jetzt nicht. Ich find eher, dass v.a. Mary ziemlich schnell genervt ist. Aber keine Sorge, sie haben nicht nur gelaestert, wir konnten uns ueber Gott und die Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) unterhalten und sie wussten erstaunlich viel ueber Europa. Also dann, wuensch ich euch mal wieder eine schoene Zeit.

Bis einandermal

Viele Gruesse

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