Antacocca

Hallo alle LeserInnen,

in der Früh um 6 ging´s los – Saturnino holte uns am Hotel, nicht wie versprochen mit dem Taxi sondern zu Fuß ab. Also sind wir erstmal bepackt mit einer Kiste Obst durch die Straßen gelaufen und haben ein Taxi gesucht. Nach ca. 1/2 Stunde hatten wir auch schon eins gefunden. Nicht dass es in HVCA nur so vor Taxi wimmeln würde, aber wir brauchten einen Taxifahrer der sich bereit erklärte 2 Stunden in Antacocha auf uns zu warten.

Um 7 waren wir dann auch schon dort. Es war eiskalt (ca. 0 Grad) und wir waren froh, als die Sonne rauskam. Aber die Kinder sind erst so nach und nach eingetrudelt. Derweilen wurden uns die beiden Webstühle vorgestellt, die wohl fleißig im Einsatz sind, nachdem uns etliche Schals gezeigt wurden. Für einen Schal mit Muster benötigt eine Frau 1 Monat und möchte dafür 200 Sol (= 50 Euro). Natürlich wurde uns erklärt, dass es an allem fehlt… an den Fäden, am Licht, das Haus hat noch keinen Boden, und es gibt wohl noch keine Wasserleitungen.

Als dann alle Kinder da waren (es waren 50), mussten diverse Reden geschwungen werden…. Saturnino, ein Jugendlicher, der Bürgermeister und schließlich auch noch ich. Dann verteilten wir das Obst, und sahen die leuchtenden Augen, auch wenn es nur eine Banane und eine Mandarine für jedes Kind war. Schließlich ist es für diese Kinder nicht selbstverständlich Obst zu bekommen.

Dann durften die Kinder, die nachmittags Schule haben, uns IHR großes Projekt zeigen, die anderen mussten in die Schule. Sie haben eine „Laguña de los niños“, also einen großen See angelegt und möchten diesen als Touri-Ziel vermarkten. Letztendlich ist es ein See mit Schilf und ein paar Enten. Wie jemals ein Tourist diesen See finden sollte ist uns schleierhaft, schließlich kannte nicht einmal der Taxifahrer den Ort.

Apropos Schule: Angeblich gehen alle Kinder 5 Jahre in die Grundschule und dann nochmals 5 Jahre in die Hauptschule, wobei beide Schulen vor Ort sind. Ich kann das noch nicht so ganz glauben.

Nach der Lagune zeigte uns der Bürgermeister noch seine Gewächshäuser, für die er eben noch gern eine Wasserleitung hätte. Es werden Salat, Spinat, Aji, Zwiebeln, Petersilie,… angebaut, was alles sehr schön gewachsen ist. Den Kindern wird der Gemüseanbau vermittelt. Die Kühe durften wir auch noch bewundern… sie geben 4 – 5 Liter Milch am Tag.

Momentan ist in Peru Winter, das bedeutet es ist Trockenzeit. Erst im September wird es schön langsam wieder zu regnen beginnen. Warum die Peruaner ihre Wiesen bewässern, obwohl eigentlich kein Wasser da ist, konnte ich nicht ganz nachvollziehen, vor allem weil die Kühe auf der bloßen Erde stehen. Warum sie der Meinung sind, dass auch in der Trockenzeit bzw. bei der Kälte alles wachsen muss, weiß ich auch nicht. Aber so sind sie nun mal.

Wir waren bereits um 10 zurück, haben gemütlich gefrühstückt und die Zeit verstreichen lassen, indem wir durch die Straßen geschlendert sind und für Christian neue Stadtteile erkundet haben. Dabei waren wir auch am Bahnhof, der schön renoviert ist, genauso wie neue Gleise verlegt sind. Aber trotzdem verkehrt angeblich noch immer kein Personenzug.

Am Abend sind wir mit Karina und Angel ins Esparta – schliesslich war ich da 2 Monate täglich. Ich war erstaunt wie voll es war. Aber von den angeblich ganz vielen Touristen die es in Huancavelica gibt, haben wir genauso wie tagsüber, keinen gesehen. Lediglich ein paar Chinesen, die vermutlich bei der internationalen Kampagne am Krankenhaus beteiligt sind. Und ein paar andere Gringos, wie die Weißen genannt werden, die in irgendwelchen Einrichtungen freiwillig arbeiten.

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